Hurra Deutschland: Der kleinste gemeinsame Freuer

“Deutschland, Deutschlaaaand!”. So schallte es mir gestern Abend entgegen, als ich nach dem unrühmlichen Sieg der deutschen Mannschaft nach Hause fahren wollte. “Toll, das die wissen, wer gewonnen hat”, war mein erster Gedanke. Als mir dann die ersten hupenden Autos entgegen kamen, bekam ich langsam Zweifel: Hatten die das gleiche Spiel gesehen oder war ich durch die Tür in ein Paralleluniversum getreten, in dem man mit brilliantem Fußball 5:0 gewonnen hatte? Nee, das war exakt das gleiche Spiel gewesen, nur eben als Fan geschaut.

Und das erklärt auch den Unterschied in der Sichtweise: “Fan” kommt von “Fanatiker”, und dem ist ja im Regelfall nicht mit gesundem Menschenverstand beizukommen. Das merke ich schon, wenn ich mit Werder-Fans im gleichen Zug sitze.

Aber die Fahnen und das Gebrülle eröffnen mir noch ein Tor zu einer ganz anderen Dimension: Die Autofahnen sind nichts anderes als die Sichtbarmachung des Geistes-Prekariats, welches sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Mal im Ernst: Interessiert es irgendeinen Klose, ob hierzulande ein Fahnenmeer in Schwarz-Rot-Gold die Einfallstraßen blockiert? Nö, nicht die Bohne. Die spielen sogar noch schlechter als 2006, als die Fahnen gerade erst modern wurden.

Also zelebriert man gar nicht das Team, sondern mal wieder nur sich selbst. Die Zugehörigkeit zu einem Volk. Hurra. Wenn das, für das ich im Leben am wenigsten geleistet habe, mich mit dem größten Stolz erfüllt, dann ist mein Leben entweder leer wie der Enddarm eines Mastschweins, oder aber ich bin doof wie Brot. Eine Ausnahme lasse ich zu: Stolz, ein Deutscher zu sein, das dürfte bald jeder sein, der den Einbürgerungstest schafft. Aber der steht nicht aufrecht im 3er BMW.

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